Liebetruth bringt rot-schwarze Initiative "Europa-Chancen für alle" in den Landtag ein

 

Europäische Jugendbegegnungen für alle zugänglich zu machen, dieses Ziel verfolgt die Kreisverdener SPD-Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth seit Jugendzeiten. Auf ihre Anregung hin haben die Landtagsfraktionen von SPD und CDU nun gemeinsam einen Entschließungsantrag „Europa – Chancen für alle“ beschlossen, der von Dörte Liebetruth in der Plenarsitzung begründet wurde. In dem Antrag wird die Landesregierung aufgefordert, dafür zu sorgen, dass ab 2025 die gesamte junge Generation die Möglichkeit bekommen soll, während der Schulzeit, der Berufsausbildung, in der Freizeit oder während des Studiums mindestens zwei Wochen in einem anderen EU-Mitgliedstaat zu verbringen. „Europa zu erleben fördert die Persönlichkeitsentwicklung und auch für den Beruf wichtige Schlüsselqualifikationen. Deswegen wollen wir, dass alle und nicht nur einige wenige daran teilhaben können“, so Dörte Liebetruth. Der Entschließungsantrag wird nun im Europa-Ausschuss des Landtags beraten und gegebenenfalls weiter verbessert, bevor er wieder im Plenum des Landtags aufgerufen und beschlossen werden soll.


Link zur Landtags-Drucksache 18/1402 „Europa-Chancen für alle“ Europäische Austauschprogramme für die gesamte junge Generation zugänglich machen - Niedersachsen in Europa weiter stärken...
http://www.landtag-niedersachsen.de/Drucksachen/Drucksachen%5F18%5F02500/01001-01500/18-01402.pdf

Dokumentation von Dörte Liebetruths Rede am 23.8.2018

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

Sehr geehrter Herr Präsident,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich gebe zu, ein paar Jahre ist es her, da habe ich als Sprecherin des Landesschülerrates Niedersachsen gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus anderen Teilen Europas an einem Seminar des europäischen Zusammenschlusses von Schülervertretungen, des Organising Bureau of European School Student Unions, teilnehmen dürfen. Diese und andere europäische Jugendbegegnungen haben meinen Horizont erweitert, Vorurteile in Frage gestellt und sie haben mir neue Chancen eröffnet. Nicht zuletzt habe ich wunderbare Menschen aus anderen EU-Mitgliedstaaten kennenlernen dürfen. 
Zu einigen von ihnen habe ich heute noch Kontakt. 

Kurzum: Durch europäische Jugendbegegnungen habe ich Europa ganz konkret erleben dürfen und habe dabei viel gelernt, was mich auf meinem Lebensweg weiter gebracht hat. Da bin ich nicht die Einzige: 

Ein Forschungsprojekt zu Langzeitwirkungen von internationalen Jugendaustauschprogrammen ist vor einigen Jahren zu dem Ergebnis gekommen, dass Jugendaustausch eine erstaunlich nachhaltige Wirkung auf die Persönlichkeitsentwicklung ausübt. 

Nicht nur Fremdsprachenkenntnisse und die Offenheit gegenüber anderen Kulturen werden gefördert. Das gilt auch für Sozialkompetenz und weitere Schlüsselqualifikationen, auf die es zum Beispiel im Berufsleben in unserer exportorientierten Wirtschaft ankommt. 

Europäische Jugendbegegnungen erweitern also die Zukunftschancen junger Menschen in unserem Land. Jugendaustausch kann dazu beitragen, junge Menschen zu Gewinnern der Globalisierung zu machen. 

 

Bei uns vor Ort in Niedersachsen engagieren sich zahlreiche Kommunen, Betriebe, Kammern, Bildungs- und Forschungseinrichtungen sowie vielfältige Organisationen und Initiativen der Zivilgesellschaft zum Teil seit langen Jahren intensiv für europäische Partnerschaften und Jugendaustauschprojekte. 

Ich möchte die heutige Gelegenheit nutzen, diesen engagierten Niedersächsinnen und Niedersachsen ganz herzlich zu danken! Ihre Arbeit ist ungeheuer wichtig, nicht nur für die Jugendlichen, die deswegen an europäischen Austauschprojekten teilnehmen können, sondern auch für Niedersachsen, Deutschland und Europa.

 

Leider ist es in weiten Teilen der jungen Generation auch bei uns in Niedersachsen bisher noch die Ausnahme, eine Zeit in einem anderen EU-Mitgliedstaat zu verbringen. 

Deswegen freue ich mich, dass SPD und CDU heute gemeinsam die Initiative „Europa – Chancen für alle!“ einbringen. Ziel ist es, europäische Austauschprogramme für die gesamte junge Generation zugänglich zu machen. Die Chancen, die Europa schafft, müssen allen jungen Menschen offen stehen und nicht nur hauptsächlich denen aus „bildungsnahen“ Elternhäusern. 

Bis 2025 wollen wir mit allen Beteiligten in Niedersachsen gemeinsam entscheidende Schritte vorankommen: 

Junge Menschen sollen vor ihrem 25. Geburtstag die Chance bekommen, den Alltag in einem anderen europäischen Land mitzuerleben und zwar mindestens einmal zwei Wochen oder länger während ihrer Schullaufbahn, Berufsausbildung oder im Studium. Damit wir dieses Ziel erreichen, ist eine gemeinsame Kraftanstrengung aller Beteiligten nötig.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, 
wir wollen, dass Niedersachsen stark ist in Europa. 

Deswegen ist es gut, wenn wir uns in Niedersachsen auch ehrgeizige Ziele setzen, wenn wir uns stark machen für eine Europäische Union, an deren Chancen alle teilhaben können. 

Das Ziel, europäische Jugendaustauschprogramme für alle jungen Menschen zugänglich zu machen, ist nicht neu: Beim Jugendkonvent zu einer Verfassung für die Europäische Union 2002 habe ich mich dafür eingesetzt. 2007 hatten dann die Jugendorganisationen von FDP, Grünen, CDU und SPD auf Bundesebene gemeinsam mit der Bundesschülerkonferenz und den Jungen Europäischen Föderalisten im Zusammenhang mit der deutschen EU-Ratspräsidentschaft gefordert,  Jugendaustausch für alle zugänglich zu machen. 

Zwar haben wir dieses Ziel noch nicht erreicht – aber dass der Weg zu „Europa-Chancen für alle“ kein Kurzstreckenlauf sondern eher ein Marathon wird, war von Anfang an klar. 

Die gute Nachricht ist: Wir sind vorangekommen.                                                      

 

Die Zahl derjenigen, die aus Niedersachsen während ihres Studiums ins Ausland gehen, ist in den vergangenen Jahren nach Angaben des Wissenschaftsministeriums angestiegen. Auch aus dem Bereich des Handwerks wird von immer mehr  Auszubildenden berichtet, die eine Zeit während ihrer Ausbildung im Ausland verbringen. Das EU-Programm Erasmus+ wird in Niedersachsen aktiv genutzt, sowohl im Bereich der Schulen einschließlich Berufsschulen als auch von Jugendorganisationen.    

 

Jetzt kommt es auf die nächsten Schritte an – und zwar auf allen Ebenen: 

Die EU hat die Mittel für Jugendaustauschprogramme zu Beginn der jetzt noch laufenden mehrjährigen EU-Haushaltsperiode erhöht; die EU-Kommission schlägt für die kommende Haushaltsperiode ab 2021 eine erneute Erhöhung vor. Bis 2025 soll ein europäischer Bildungsraum Wirklichkeit werden. 

Auch der Bund will – so die Aussage des Koalitionsvertrages – europäische  Jugendaustauschmaßnahmen stärken. 

All das ist gut – aber ersetzt nicht, dass wir hier in Niedersachsen tun, was wir können, damit Europa-Chancen für alle zugänglich werden. 

Genau hier setzt unsere Initiative von SPD und CDU an: Es geht darum, 

  • das Programm Erasmus+ und seinen Nachfolger künftig noch besser bei uns im Land zu nutzen,  
  • da wo Antragsverfahren schlanker gestaltet werden können, dies anzugehen,
  • als Arbeitgeber Land Niedersachsen mehr und mehr jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu ermöglichen, eine Zeit in einer Dienststelle in einem anderen EU-Mitgliedsland zu arbeiten  

und es geht um viele weitere Schritte zum Ziel „Europa-Chancen für alle“.

 

Sehr geehrte Damen und Herren, 

die Europäische Union ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, nicht nur eine abstrakte politische Ebene, die unser Leben hier in Niedersachsen beeinflusst. Europa ist viel mehr: 

Das Zusammenwachsen Europas, der enge Austausch, die Begegnung mit unseren europäischen Nachbarn ist auch ein Wert an sich. 

Gerade  jetzt in diesen Zeiten von Fake News und Vorurteilen, die sich in den sogenannten sozialen Medien im Internet verselbstständigen, kommt es auf die persönliche Begegnung von Menschen an. 

 

Auch deshalb freue ich mich auf die Ausschussberatungen und die Anregungen, wie unsere Initiative „Europa-Chancen für alle“ noch besser werden kann!  

 

 

 


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